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Gotische Sprache

Aus Ardapedia

Die Gotische Sprache ist eine vom germanischen Stamm der Goten gesprochene ostgermanische Sprache und dank der so genannten „Wulfilabibel“ aus dem 4. Jahrhundert die älteste schriftlich überlieferte germanische Sprache. Sie ist heute ausgestorben.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Tolkien und Gotisch

J. R. R. Tolkien hielt als Englisch-Professor auch Vorlesungen zur Gotischen Sprache. Den ersten Kontakt mit dem Gotischen machte Tolkien, als er um 1910 einem Schulfreund eine Grammatik zur Gotischen Sprache abkaufte. Dabei handelte es sich um das von Joseph Wright verfasste Buch A Primer of the Gothic Language, das 1892 in Oxford erschienen war.

Gotisch war die erste alte germanische Sprache, die Tolkien kennenlernte. In seinem Vortrag English and Welsh bezeichnete er sie auch als die erste Sprache, die ihn begeistert hatte. Tolkien war fasziniert von ihrer Schönheit. Er rekonstruierte gotische Wörter und schrieb „gotische“ Texte in Bücher. Ein Faksimile einer solchen Inschrift aus einem Exemplar von The Fifth Book of Thucydides ist in Tolkiens Briefen unter Nr. 272 abgedruckt. Seinen Namen übertrug Tolkien ins Gotische als „Ruginwaldus Dwalakôneis“.

Gegenüber W. H. Auden erklärte er, dass er mit dieser Grammatik der Gotischen Sprache zum ersten mal eine Sprache aus rein ästhetischem Vergnügen gelernt hatte, völlig unabhängig von jeder Nützlichkeit und auch unabhängig von der üblichen Funktion einer Sprache als Transportmittel für Literatur. In einem Brief an seinen Sohn Christopher von 1969 nennt Tolkien Wrights Buch jedoch auch seinen Einstieg in die „Germanische Philologie“.

In der autorisierten Tolkien-Biographie berichtet Humphrey Carpenter, dass Tolkien einmal im Debattierklub seiner Schule in der Rolle als „barbarischer Gesandter“ fließend Gotisch gesprochen habe.

[Bearbeiten] Textprobe

Das Vaterunser auf Gotisch:

Atta unsar, þu in himinam, weihnai namo þein. Qimai þiudinassus þeins. Waírþai wilja þeins, swe in himina jah ana aírþai.
Hlaif unsarana þana sinteinan gif uns himma daga. Jah aflet uns þatei skulans sijaima, swaswe jah weis afletam þaim skulam unsaraim. Jah ni briggais uns in fraistubnjai, ak lausei uns af þamma ubilin.
Unte þeina ist þiudangardi jah mahts jah wulþus in aiwins.

Tolkiens Biograph Humphrey Carpenter erzählt von einem Besuch Tolkiens im Jahr 1952 bei seinem Bekannten George Sayer. Dort nahm Tolkien zum ersten Mal seine Stimme auf Tonband auf. Bevor er Ausschnitte aus dem Manuskript zum Herrn der Ringe las, sprach Tolkien die gotische Fassung des Vaterunser auf das Band, „um alle Teufel auszutreiben, die darin lauern mochten“, wie Carpenter schreibt.

[Bearbeiten] Gotisch in Tolkiens Werken

Christopher Tolkien weist in einer Anmerkung zu einem Text über die Urprünge der Rohirrim, abgedruckt in den Nachrichten aus Mittelerde, darauf hin, dass Tolkien in seinen Geschichten von Arda ein paar gotische Namen verwendet. Es sind dies Marhari (von gotisch marh „Pferd“), Marhwini („Pferdefreund“), Vidugavia (latinisierte Schreibweise für gotisch Widugauja „Waldbewohner“) und Vidumavi (Widumawi „Waldmädchen“). Bei diesen Figuren handelt es sich um Nordmenschen, Vorfahren der Rohirrim. Weil Tolkien die Sprache der Rohirrim mit der Altenglischen wiedergibt, benutzt er für die Sprache ihrer Vorfahren die älteste überlieferte germanische Sprache, also Gotisch.

[Bearbeiten] Literatur

  • Wilhelm Braune (Begr.), Frank Heidermanns (Bearb.): Gotische Grammatik. (= Sammlung kurzer Grammatiken germanischer Dialekte. Hauptreihe A, Bd 1). 20. Auflage. Max Niemeyer, Tübingen 2004, ISBN 3-484-10852-5, ISBN 3-484-10850-9.
  • Wolfgang Krause: Handbuch des Gotischen. München 1968.
  • Fernand Mossé: Manuel de la langue gotique. Paris 1942.
  • Christian T. Petersen: Gotica Minora. (urspr. Hanau) 2001 u.ö.
  • Ernst Schulze: Gothisches Wörterbuch nebst Flexionslehre. Züllichau 1867 (Digitalisat).
  • Wilhelm Streitberg: Gotisches Elementarbuch. Heidelberg 1900 u.ö. (Faksimile).
  • Wilhelm Streitberg: Die gotische Bibel. Heidelberg 1965.
  • Elfriede Stutz: Gotische Literaturdenkmäler. Stuttgart 1966.
  • Joseph Wright: Grammar of the Gothic Language. Oxford 1910 (Faksimile; spätere Fassung von A Primer of the Gothic Language).

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Quellen

  • J. R. R. Tolkien: Briefe. Ausgewählt und herausgegeben von Humphrey Carpenter mit der Hilfe von Christopher Tolkien. Übersetzt von Wolfgang Krege. Klett-Cotta, Stuttgart 1991. (Im Original erschienen 1981 unter dem Titel Letters of J. R. R. Tolkien.)
    • Nr. 7 an das Wahlgremium für die Rawlinson- und Bosworth-Professur für Angelsächsisch, Universität Oxford (27. Juni 1925)
    • Nr. 163 an W. H. Auden (7. Juni 1955)
    • Nr. 272 an Zillah Sherring (20. Juli 1965)
    • Nr. 308 an Christopher Tolkien (2. Januar 1969).
  • J. R. R. Tolkien: English and Welsh. In: The Monsters and the Critics and Other Essays. Herausgegeben von Christopher Tolkien. George Allen & Unwin, London 1983. S. 191/192.
  • J. R. R. Tolkien: Nachrichten aus Mittelerde. Herausgegeben von Christopher Tolkien. Übersetzt von Hans J. Schütz. Klett-Cotta, Stuttgart 1983. (Im Original erschienen 1980 unter dem Titel Unfinished Tales of Númenor and Middle-earth.) Dritter Teil: „Das Dritte Zeitalter“. II. „Cirion und Eorl und die Freundschaft von Gondor und Rohan“. Anmerkung 6.
  • Humphrey Carpenter: J. R. R. Tolkien: Eine Biographie. Übersetzt von Wolfgang Krege. Klett-Cotta, Stuttgart 1979. (Im Original erschienen 1977 unter dem Titel J. R. R. Tolkien: A Biography.)
    • II. „1892–1916: Jugendjahre“. 4. „Der Club“.
    • VI. „1949–1966: Erfolg“. 2. „Das Tausend-Pfund-Risiko“.
  • Artikel Gotische Sprache. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 29. Juli 2007, 09:41 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Gotische_Sprache&oldid=34930984 (Abgerufen: 4. September 2007, 19:32 UTC).
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